Jan 31, 2019
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Alte sollen in kleinere Wohnungen ziehen

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Alte sollen in kleinere Wohnungen ziehen

Wie es funktionieren soll und was Hamburger Senioren dazu sagen

Günstiger Wohnraum für Familien ist in Hamburg Mangelware. Viele ältere Menschen haben ihn, nutzen ihn hingegen kaum.

Die alte Dame wohnt seit 40 Jahren im Grindelviertel. Ihre schöne Altbauwohnung hat 4,5 Zimmer und ist seit dem Auszug der Kinder und dem Tod ihres Mannes viel zu groß. Doch ein Umzug wäre problematisch. Denn sie zahlt 450 Euro Mie-

te. Jede kleinere Wohnung in gleicher Lage wäre teurer. Gleichzeitig gibt es unzählige Familien, die sich in kleine Wohnungen drängen und eine größere suchen!

Die SPD-Fraktion Altona will dieses Problem angehen und eine kommunale Wohnungstauschbörse auf den Weg bringen. Ein entsprechender Antrag dazu soll heute Abend in die Bezirksversammlung eingebracht werden.

Ziel ist es, Mietern einen direkten Wohnungstausch zu ermöglichen – bei zumindest annähernder Übernahme des jeweiligen Mietpreises. Die Tauschpartner treten also gegenseitig in den alten Mietvertrag des anderen ein, ohne dass es zu den üblichen drastischen Steigerungen bei Neuvermietungen kommt.

„Ältere Menschen sind oftmals bereit, in kleinere Wohnungen umzuziehen, wenn eine spürbare, finanzielle Entlastung einhergeht und die Wohnung in der Nähe des bisherigen Wohnumfelds liegt“, sagt Ilona Schulz-Müller, sozialpolitische Sprecherin der SPDFraktion Altona. „Davon können Familien mit Kindern profitieren, die größere Wohnungen suchen. Politik und Verwaltung können hier durch die Schaffung einer Wohnungstauschbörse helfen.“

Vorbild für die SPD ist Berlin. Dort wurde im September das Online-Wohnungstauschportal inberlinwohnen.de gegründet. Es vernetzt das Angebot der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Da es in Hamburg mit der SAGA nur einen städtischen Träger gibt, sollen auch die 30 Genossenschaften im ganzen Stadtgebiet – vom Eisenbahnbauverein Harburg bis zur Walddörfer Wohnungsbaugenossenschaft – mit ins Boot geholt werden.

Sie besitzen zusammen

130000 Wohnungen in der Hansestadt. Zusammen mit der SAGA, der etwa die gleiche Anzahl an Wohnungen gehört, würde so knapp ein Drittel des Hamburger Miet-Wohnungsmarktes abgedeckt.

„Wohnungstauschprojekte können ein gutes Instrument sein, um den Wohnungsmarkt der Freien und Hansestadt Hamburg weiter zu entlasten“, so Ilona Schulz-Müller. Schließlich stelle die Vermietung von zu großen Wohnungen eine Verschwendung von Wohnraum dar.

Auch in ökologischer Hinsicht macht eine Tauschbörse Sinn. Denn da viele Alleinlebende in großen Wohnungen auch überschüssige Räume beheizen und beleuchten, kommt es vielerorts zu einem unnötigen und überflüssigen Energieverbrauch. Die Hamburger Mietervereine begrüßen die Initiative. „Alles ist gut, was Bewegung in den Hamburger Mietmarkt bringt, ohne die Preise in die Höhe zu treiben“, sagt Sylvia Sonnemann von „Mieter helfen Mietern“. Auch der Vorsitzende des Mietervereins, Siegmund Chychla, hält Tauschbörsen für eine gute Idee. Allerdings müssten nicht nur die Genossenschaften, sondern auch private Wohnungsträger eingebunden werden. „Auch große private Wohnungsunternehmen, wie zum Beispiel die Vonovia, sollten nicht nur über ihre soziale Verantwortung reden, sondern einen tatsächlichen Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarktes in Hamburg leisten und den Wohnungstausch in ihren Beständen ermöglichen“, so Chychla. Als Alternative sieht Sylvia Sonnemann für freie Wohnungsträger die Möglichkeit der Prämienzahlung oder der Gewährleistung von Umzugshilfen. „Ich würde mir wünschen, dass man Menschen, die bereit sind, in kleinere Wohnungen zu ziehen, Anreize bietet.“

Die alte Dame aus dem Grindelviertel hat nach langer Suche nun eine Lösung gefunden. Zwar nicht ganz im gewohnten Umfeld, aber dennoch zentral: Sie zieht nach St. Pauli mitten ins Rotlichtviertel – mit Mitte 70!

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